Sachsen-Anhalt-Monitor – Studie zu Nichtwählern

Anders als der sonst übliche Sachsen-Anhalt-Monitor wird in der Untersuchung nicht übergreifend nach der politischen Kultur im Lande gefragt, sondern konkret nach den Strukturmerkmalen, den Motivlagen und der sozialen Verankerung von Menschen, die mehr oder weniger bewusst die Entscheidung treffen: Ich gehe nicht wählen.

Ein Hauptmotiv dafür ist der Studie zufolge die Unzufriedenheit darüber, wie Politik betrieben wird. Zudem bestätigt die Untersuchung, was aus den bisherigen Sachsen-Anhalt-Monitoren zu vermuten war. Die Wahlentscheidung hat viel mit Vertrauen zu tun. Je geringer das Vertrauen in die handelnde Politik ist, desto geringer ist die Bereitschaft, zur Wahl zu gehen. Ein weiteres Ergebnis besagt: Je zufriedener die Bürgerinnen und Bürger mit ihrer wirtschaftlichen und persönlichen Situation sind und je höher ihr Bildungsgrad ist, desto eher gehen sie wählen.

Die Ursache für mangelndes Vertrauen in Parteien und Politiker sieht die Studie allerdings weniger in konkreten Fehlleistungen oder Verfehlungen politischer Akteure, sondern darin, dass für viele Menschen der Politikbetrieb an sich ein Rätsel ist. „Hier darf die Politik nicht zur Blackbox werden“, unterstrich der Sachsen-Anhalts Kultusminister Dorgerloh. Für die politische Bildung sei es deshalb eine zentrale Aufgabe, diesen Bereich auszuleuchten und zu erklären.

Die Studie finden Sie hier als PDF (1,5 MB) zum Download.

Wenn die Distanz zwischen Wählern und Politikern und Politik dagegen weiter wachse, sei das eine bedenkliche Entwicklung und ein Alarmsignal, so Dorgerloh. „Für die Demokratie ist es auf Dauer schädlich, wenn ein größer werdender Teil der Wahlberechtigten nicht mehr an die Urne geht.“

Aber auch unter den Nichtwählern gibt es Unterschiede und verschiedene Typen. Laut der Studie sind:

  • 21 Prozent „Dauer-Nichtwähler“,
  • 14 Prozent „partielle Wahlverweigerer“,
  • 16 Prozent „sporadische Nichtwähler“,
  • 8 Prozent „Erst-Nichtwähler“.

Zudem sind Nichtwähler jünger als Wähler und gehören eher zum einkommensschwachen Bevölkerungsteil und verfügen häufiger über einen Hauptschulabschluss. Allerdings gibt es dabei auch eine Ausnahme: Bei den Erst-Nichtwählern hat etwa jeder fünfte Abitur bzw. einen Universitätsabschluss.

Dabei sind Nichtwähler politisch durchaus interessiert und informiert, selbst wenn sie nicht abstimmen gehen.

Hier müsse es ein Ziel sein, wieder Interesse zu wecken und die Wähler im Wartestand zu überzeugen, dass es sich lohnt, die Stimme abzugeben. Dazu soll auch die Kampagne „Demokratie stärken – Du bist Politik!“ beitragen, die zeigt, wie vielfältig politisches Engagement in Sachsen-Anhalt ist. „Denn Politik findet nicht nur in Parlamenten und Rathäusern, sondern auch im Alltag statt“, so der Minister. Als weitere Handlungsfelder nannte er mehr Elemente direkter Demokratie, eine Beteiligung der Jugend durch Absenkung des Wahlalters oder die Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements. Zudem müsse die Politik selbst um Vertrauen werben. Dann bestehe auch die Chance, dass sich wieder mehr Menschen in die Politik einbringen und auch wählen gehen.

Hintergrund zur Studie: Die Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt ist mit der Umsetzung betraut worden. Im Zuge dessen wurde zusammen mit dem Zentrum für Sozialforschung Halle (ZSH) unter Leitung von Prof. Dr. Everhard Holtmann ein erweiterter Sachsen-Anhalt-Monitor erstellt, der die Beteiligung an Landtagswahlen untersucht.

Quelle: Pressemitteilung Kultusministerium Sachsen-Anhalt

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